Abschlussarbeit Korte Aileen Unterrichtsmaterial

Aus ZUM Grundschullernportal

Unterrichtssequenz Überarbeitung einer Wegbeschreibung mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe unter der Betreuung von Frau Prof. Dr. Anskeit wurde im Jahr 2025 eine explorative Studie durchgeführt. Dafür wurde eine Unterrichtssequenz mit drei Einheiten entwickelt und mit 15 Schüler*innen durchgeführt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie eine KI-gestützte Textüberarbeitung didaktisch sinnvoll gestaltet werden kann und welche Rolle dabei vorbereitete Prompts spielen.

Thema der Abschlussarbeit: Künstliche Intelligenz im Schreibunterricht der Grundschule - Eine unterrichtspraktische Erprobung zur Textüberarbeitung mit KI

Hochschule: Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Betreuende Dozenten: Frau Prof. Dr. Nadine Anskeit, Frau Heller

Semester: Sommersemester 2025

Unterrichtsverlaufspläne und Unterrichtsmaterialien

Arbeitsblatt 1: Erstellung einer Wegbeschreibung

Unterrichtsstunde 1: Erstellung Wegbeschreibung:

In der ersten Doppelstunde wiederholten die Schüler*innen die wesentlichen Merkmale der Textsorte Beschreibung anhand einer Wegbeschreibung und verschriftlichten die Beschreibung. Der Text wurde mit Stift und Papier verfasst, da die Klasse nicht im Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen geübt war.


KI-Umgangsregeln (eigener Inhalt, Darstellung generiert mit ChatGPT am 02.09.2026)

Unterrichtsstunde 2: Einführung in SchulKI:

In der zweiten Unterrichtsstunde wurden Regeln im Umgang mit dem Chatbot eingeführt. Zuvor wurde die Handhabung von SchulKI schrittweise von der Lehrkraft modelliert. Zur Einführung bearbeiteten die Schüler*innen zunächst in Partnerarbeit vorgegebene und später selbst entwickelte Fragen an die KI über das Thema Künstliche Intelligenz. Die Schüler*innen erhielten Formulierungshilfen für das Erstellen zielführender Prompts. Als Übung schrieben die Schüler*innen in Einzelarbeit gemeinsam mit der KI eine Geschichte. Anschließend wurde die KI-Nutzung reflektiert.



Beurteilungsraster als Hintergrundinformation für den Chatbot (eigene Darstellung)

Unterrichtsstunde 3: Textüberarbeitung mit SchulKI

Die Lernenden überarbeiteten gemeinsam mit der Lehrkraft einen Beispieltext mit der Nutzung des Chatbots. Die Schulklasse wurde in drei Testgruppen unterteilt, die in dieser Unterrichtseinheit verschiedene Anweisungen erhielten. Die Schüler*innen erhielten unterschiedliche Promptvorgaben in Form von verschiedenen Arbeitsblättern und bearbeiteten in Einzelarbeit ihre Aufgabe am Tablet mit externer Tastatur. Jede Testgruppe überarbeitete ihre in der ersten Unterrichtsstunde erstellte Wegbeschreibung mit Hilfe des Chatbots. Die Korrekturen wurden dabei von Hand mit Rotstift in den Originaltext aus der ersten Unterrichtsstunde eingefügt.


Einblick in die Studie

Zielsetzung und Fragestellung

Die Arbeit befasst sich mit der Forschungsfrage:
Wie kann die Nutzung von KI bei der Textüberarbeitung in der vierten Klasse didaktisch sinnvoll gestaltet und unterrichtspraktisch umgesetzt werden?

Diese Frage gliederte sich in folgende Teilaspekte:

  • Wie beeinflusst ein vorgegebener Erstprompt den Aufgabenbezug der KI-Interaktion
  • Wie nutzen Schüler*innen der vierten Klasse einen KI-Chatbot als Methode zur Textüberarbeitung?

Untersuchungsdesign

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie künstliche Intelligenz im Schreibunterricht der Grundschule eingesetzt werden kann, mit dem Ziel erste Hypothesen zu generieren, wie Viertklässler*innen KI bei der Textüberarbeitung nutzen. Hierzu erstellten Schüler*innen einer vierten Klasse eine Wegbeschreibung anhand Kriterien und bekamen eine Einführung in die KI-Anwendung SchulKI samt Promptingübung. Anschließend wurden drei Testgruppen gebildet, die jeweils eine Promptvorgabe mit zusätzlichen Beurteilungskriterien zur Verfassung eines Lehrer*innenkommentars, eine Promptvorgabe zur Erstellung eines Lehrer*innenkommentars und eine Testgruppe ohne Promptvorgabe bekamen. Drei Textüberarbeitungen wurden detailliert mittels Textanalyseraster im Zusammenhang mit der KI-Interaktion ausgewertet. Bei der Gesamtgruppe wurde erfasst, in welchem Bereich die Testpersonen ihren Text verändert haben, wie viele Prompts mit wie vielen Wörtern formuliert wurden und ob diese aufgabenbezogen formuliert waren.

Darstellung des Forschungsverlaufs (eigene Darstellung)

Im Rahmen der unterrichtspraktischen Erprobung wurden drei Unterrichtsstunden geplant, durchgeführt und ausgewertet.

Stichprobe

Bei der Gesamttestgruppe (n=15) handelt es sich um eine vierte Klasse, die in drei Testgruppen (TG1, TG2, TG3) eingeteilt wurde, um verschiedene Ansätze erproben und auswerten zu können.

Ergebnisse

Prompts mit oder ohne Aufgabenbezug, gruppiert nach Testgruppen (übernommen aus der Abschlussarbeit)
Mittelwert der Promptanzahl und Mittelwert der Wörter (übernommen aus der Abschlussarbeit)
Vereinfachte Kategorisierung zur vergleichenden Erfassung aller Revisionen aller TP (übernommen aus der Abschlussarbeit)

Die Ergebnisse zeigen, dass in der Testgruppe mit einem detaillierten Erstprompt ein höherer Anteil aufgabenbezogener Prompts in der anschließenden KI-Interaktion beobachtbar war. TG1 „starke Vorgabe“ wies mit 83% den höchsten Aufgabenbezug auf, gefolgt von TG3 „keine Vorgabe“ mit 51% und TG2 „Vorgabe“ mit 38%.
Zudem formulierte TG1 weniger, aber längere Prompts, welche der KI mehr relevante Informationen gaben. Eine mögliche Erklärung ist, dass der Kriterienkatalog der KI zusätzliche Informationen über den Arbeitsauftrag und die zu berücksichtigenden Kriterien zur Verfügung stellte. Die erhöhte Anzahl nicht aufgabenbezogener Prompts könnte auch auf Unsicherheit im weiteren Vorgehen von TG2 und TG3 schließen lassen. Dies stützt auch die Annahme, dass die Fähigkeit, zielführende Prompts zu formulieren, in einer Doppelstunde Unterricht nicht ausreichend geübt werden konnte. Die Prompts der Gesamtgruppe sind überwiegend kurz und teils unpräzise, was ebenfalls darauf hindeutet. Es lässt sich vermuten, dass die methodisch-didaktische Einführung und Anleitung der KI-Anwendung für die Umsetzung der Methode von großer Bedeutung ist. Die Ergebnisse legen die Hypothese nahe, dass detaillierte vorgegebene Erstprompts zu einem stärkeren Aufgabenbezug der anschließenden KI-Interaktion beitragen können.

Die qualitative Analyse von drei Chatverläufen verdeutlicht, dass die Schüler*innen die KI überwiegend in einer unterstützenden Rolle einsetzten. Die meisten Schüler*innen übernahmen den Output selektiv und versuchten sogar, die KI mithilfe von Korrekturprompts wieder in eine unterstützende statt übernehmende Funktion zu lenken, wenn diese ihren Text unerwünscht neu formulierte.Diese Fallbeispiele deuten darauf hin, dass Viertklässler*innen in der Lage sein könnten, KI-Output in Teilen kritisch einzuordnen und für die Textüberarbeitung zu nutzen. Die Überarbeitung fand bei der Gesamtgruppe vermehrt auf Satzstruktur- bzw. Einzelstrukturebene statt. Diese Aussage ist sowohl in der vereinfachten Zuordnung der Revisionen nach Kriterien aller Testpersonen, als auch in der Auswertung mittels ausführlicherem Textanalyseraster von drei Schüler*innen klar erkennbar. Die Textüberarbeitungen deckten sich weitgehend mit dem Output der KI. Es wurden überwiegend genau die Satzbausteine verändert, die die KI vorschlug. Jedoch wurden diese nicht wortgetreu, sondern nur in Teilen übernommen. Es wurden überwiegend exakt die Wörter orthographisch berichtigt, die die KI im Chat hervorhob. Ein Drittel der Gruppe fertigte eine Neufassung des Textes an.

Fazit

Die Studie liefert erste Hinweise, dass Schüler*innen zunächst mit vorbereiteten Prompts an die KI-gestützte Textüberarbeitung herangeführt werden sollten. Den Schüler*innen werden dadurch nicht unmittelbar in ihrem eigenständigen Arbeiten eingeschränkt, da sie nach dem erfolgten Erstprompt selbstständig entscheiden, wie sie die KI im Weiteren nutzen. Die Ergebnisse der Studie lassen vermuten, dass eine Promptvorgabe den Aufgabenbezug der KI-Interaktion unterstützt. Darauf aufbauend könnten Schüler*innen anschließend schrittweise lernen, eigene Prompts zu formulieren.

Unter Berücksichtigung methodischer Einschränkungen, insbesondere der geringeren Stichprobengröße, lässt sich die Forschungsfrage wie folgt beantworten: KI-Anwendungen bieten die Möglichkeit, jedem Kind gleichzeitig individuelle Unterstützung und innerhalb von Sekunden individuelles Feedback zu geben. Darin liegt ein großes Potenzial für den Schreibunterricht in der Grundschule. Zu beachten ist jedoch, dass die KI hierzu möglichst präzise Anweisungen benötigt, um lernförderlichen Output erstellen zu können. Hierzu benötigen die Schüler*innen Medienkompetenz, insbesondere die Kompetenz, eine KI mittels Prompts bedienen zu können, damit mit dieser lernförderlich gearbeitet werden kann. Dies kann für Viertklässler*innen aufgrund der Komplexität eine Herausforderung darstellen. Gelingt dies, kann ein KI-Chatbot zielgerichtet als Unterstützung bei der Textüberarbeitung eingesetzt werden und bietet großes Potenzial.