Lesepfad: Mutig sein

Aus ZUM Grundschullernportal

Zielgruppe: 3. Klasse Grundschule

Lernziele:

- Die SuS können Informationen auf Textebene verknüpfen und inhaltliche Gesamtvorstellung

des Textes entwickeln, indem sie die Aufgaben mithilfe des gelesenen Textes richtig lösen.

- Die SuS entwickeln eigene Schreibideen, indem sie die Geschichte unter Beachtung der

Aufgabenstellung fortsetzen.

- Die SuS verbessern ihre Medienkompetenz, indem sie ihre digitalen Aufgaben gewissenhaft

und korrekt bearbeiten.


Ein bisschen Mut im Gepäck

Als Mila aus dem Autofenster schaut, erkennt sie nichts. Keine Bäckerei an der Ecke, keinen Spielplatz mit der roten Rutsche und auch nicht den großen Kastanienbaum, an dem sie sonst jeden Morgen auf dem Weg zur Schule vorbeigekommen ist.

„Sind wir bald da?“, fragt ihr kleiner Bruder Sam vom Rücksitz.

„Zum fünften Mal: Ja!“, antwortet Mila und verdreht die Augen.

Sam ist sieben Jahre alt und kommt nach den Ferien in die zweite Klasse. Mila ist zehn und geht dann in die vierte. Eigentlich findet Mila es gut, die große Schwester zu sein. Sie weiß meistens, wo es langgeht. Doch heute weiß sie gar nichts.

Vor zwei Wochen haben Mama und Papa ihnen erzählt, dass sie umziehen müssen. In eine andere Stadt. In eine neue Wohnung. Sam fand vor allem spannend, dass sein neues Zimmer ein großes Fenster hat. Mila fand gar nichts spannend. Sie musste ihre Freundinnen, ihre Fußballmannschaft und ihre alte Schule zurücklassen. Als das Auto vor dem neuen Haus hält, springt Sam sofort heraus.

„Mila, guck mal! Da ist ein Bolzplatz!“ Mila steigt langsam aus. Auf der anderen Straßenseite spielen einige Kinder Fußball. Sie lachen und rufen durcheinander.

„Na toll“, murmelt Mila und trägt eine Kiste ins Haus.


Am nächsten Morgen sitzen Mila und Sam zwischen Umzugskartons am Frühstückstisch. Heute ist ihr erster Tag an der neuen Schule.

„Bist du aufgeregt?“, fragt Sam.

„Nein“, sagt Mila schnell. Das stimmt nicht. Ihr Bauch fühlt sich an, als würden darin hundert kleine Flummis herumspringen.

„Ich schon“, sagt Sam. „Ein bisschen.“

Mila schaut ihn überrascht an. „Und du hast trotzdem gute Laune?“

Sam zuckt mit den Schultern. „Ich kann doch aufgeregt sein und mich trotzdem freuen.“

Auf dem Schulhof stehen überall Kinder. Manche rennen herum, andere sitzen auf Bänken oder unterhalten sich. Mila entdeckt ihre neue Klasse. Sofort wird das Gefühl in ihrem Bauch stärker. Sam steht neben ihr und schaut zu einer Gruppe Kinder, die mit Kreide auf den Boden malt.

„Ich gehe mal fragen, was die machen“, sagt er.

„Einfach so?“

„Ja. Wie denn sonst?“

Bevor Mila etwas sagen kann, läuft Sam los. Mila beobachtet, wie er vor der Gruppe stehen bleibt. Erst sagt er etwas, dann zeigt ein Kind auf die Kreide.

Wenige Sekunden später sitzt Sam auf dem Boden und malt mit. Mila muss lächeln. Ihr kleiner Bruder, der gestern noch gefragt hat, ob er in der neuen Schule überhaupt jemanden kennenlernen wird, sitzt plötzlich mitten zwischen fremden Kindern.

„Du bist doch Mila, oder? Frau Uhlen hat gestern erzählt, dass heute ein neues Mädchen in unsere Klasse kommt.“

Mila dreht sich um. Vor ihr steht ein Mädchen aus ihrer neuen Klasse.

„Ja genau“, antwortet Mila.

„Ich bin Aylin.“ erzählt das Mädchen weiter. „Wir spielen in der Pause oft Fußball, hast du Lust mitzumachen?“

Mila schaut zum Fußballplatz. Dort stehen schon einige Kinder. Am liebsten würde sie sagen: „Vielleicht morgen.“ Dann könnte sie heute erst einmal beobachten. Doch plötzlich denkt sie an Sam. Wie denn sonst?

Mila atmet tief ein. „Okay“, sagt sie. „Ich spiele mit.“

In der Pause steht Mila tatsächlich auf dem Fußballplatz. Am Anfang sagt sie kaum etwas. Dann bekommt sie den Ball zugespielt. Sie nimmt ihn an, läuft los und passt zu einem Jungen auf der anderen Seite. „Guter Pass!“, ruft er. Mila grinst.


Nach der Schule wartet Sam schon am Schultor.

„Und?“, fragt er sofort.

„War okay“, sagt Mila.

„Nur okay?“

„Na gut. Eigentlich war es ziemlich gut.“

Auf dem Heimweg erzählt Mila von Aylin und vom Fußballspielen. Sam erzählt von den Kindern mit der Kreide unddavon, dass er morgen Murmeln mitbringen möchte.

„Du warst heute ganz schön mutig“, sagt Mila.

Sam überlegt. „Ich hatte aber trotzdem Angst.“

Mila schaut ihn an. „Dann warst du vielleicht gerade deshalb mutig.“

Sam scheint kurz darüber nachzudenken. Dann grinst er. „Dann warst du heute auch mutig.“

Als sie zu Hause ankommen, hören sie Stimmen vom Bolzplatz gegenüber. Einige Kinder spielen wieder Fußball. „Wollen wir rübergehen?“, fragt Sam. Mila schaut hinüber. Sie kennt dort niemanden. Schon wieder spürt sie die kleinen Flummis in ihrem Bauch. Diesmal stören sie sie aber nicht mehr so sehr.

Lesepfad: Mutig sein/ Aufgabe 1

Lesepfad: Mutig sein/ Aufgabe 2

Lesepfad: Mutig sein/ Aufgabe 3

Lesepfad: Mutig sein/ Aufgabe 4